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Beginn der Musikinstrumentenproduktion in Carlsfeld

Die vom Ortsgründer Veit Hans Schnorr von Carolsfeld 1679 angelegten Hammerwerke unterlagen um die Jahrhundertwende immer mehr dem Konkurenzdruck englischer Walzbleche. Die Folge davon war der Niedergang sämtlicher Hammerwerke um 1823.Mit der Arbeitslosigkeit kam auf die Bevölkerung eine unvorstellbare Not zu.In dieser Zeit entstand im Dreiländereck Böhmen, Vogtland und Erzgebirge ein neuer Erwerbszweig, die Musikinstrumentenherstellung.
Nach dem Konstruktionsprinzip der ”Äoline” entwickelte C.F.Uhlig 1834 in Chemnitz die erste
”Deutsche Konzertina”, die Zimmermann als Grundlage für das spätere ”Bandonion” diente.

Carl Friedrich Zimmermann wurde am 04.09.1817 in Morgenröthe geboren (gest.20.10.1898
in Philadelphia, Pennsylvania). Er nahm Violinen- und Klavierunterricht. Um 1829 übersiedelte
seine Familie nach Carlsfeld. Da er mit dem Musizieren Geld einnahm, entschied er sich, seinen Lebensunterhalt damit  zu verdienen. Etwa 1837  beschloss er, aus der Konzertina von Uhlig ein größeres Instrument ”Accordion” zu  bauen und statt Noten ein Zahlensystem zu entwickeln, das auch ”Unkundige” zum Spielen befähigte. Auf der Gewerbeausstellung in Paris1849
bezeichnete man das Accordion als ”Carlsfelder Concertina”. Es hatte eine größere Anzahl von Stimmen, eine andere Anordnung der Tastatur und einen edleren Klang. (Vermutlich hat der Musikalienhändler Heinrich Band aus Krefeld diesen Instrumenten den Namen Bandonion
-aus Accord ion = Band Union -gegeben).
C.F. Zimmermann vergrößerte nun seine Produktion, indem er 1847 die erste ”Harmonikafabrik” im ”Haus am Bach” errichtete. Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm beschäftigte er in  ”Spitzenzeiten” bis zu 76 Arbeiter .Carl wanderte 1864 in die USA aus und übernahm ein Musikgeschäft in Philadelphia.

Ernst Louis Arnold (geb.9.3.1838,gest.31.8.1910) erlernte bei C.F. Zimmermann den ”Harmonikabau”.1864 übernahm er dessen Werkstätte im ”Haus am Bach”, um die Fabrikation fortzuführen. Nachdem eine größere Schule gebaut wurde, zog er in die alte um und errichtete auf dem Gelände neue Produktionsgebäude. Einfache Maschinen, mit Petroleum betrieben, erforderten mehr Arbeitskräfte. Nun konnten auch hochwertige Instrumente mit größerem Tonumfang hergestellt werden, die in großen Stückzahlen in die ganze Welt exportiert wurden. Unter dem
Logo  ELA  umfasste die Palette der Erzeugnisse Conzertinas, Bandonions und Akkordions
sowie zeitweise auch Symphonettas.
Nach dem Tode des Vaters übernahmen seine Söhne Hermann, Paul und Alfred den Betrieb. Dieser wurde 1958 verstaatlicht und gehörte wie die Firma Alfred Arnold bis zum
Produktionsende zu den ”VEB Klingenthaler Harmonikawerken”. 1964 vom ”VEB Renak Reichenbach” übernommen, dienten die Räumlichkeiten bis 1990 vorwiegend als Lehrwerkstatt und Jugendklub.

Alfred und sein Bruder Paul verließen  1911 den ehemals väterlichen Betrieb  und gründeten im ”Haus am Bach” eine eigene Firma mit dem Namen Alfred Arnold (”AA”, ortsüblich” ALFA”).Da  im  gleichen Jahr  Carlsfeld ans elektrische Netz angeschlossen wurde, investierte Alfred in strombetriebene Maschinen, die er in einem neu errichteten Werk  installieren ließ. Alfa und Ela hatten etwa die gleiche Produktionspalette .Zusätzlich verließen auch 8-eckige und geschwungene Instrumente den Betrieb. Besonders begehrt waren solche mit wertvollen Intarsien aus Perlmutt, Irismuschel und Strasssteinen. Bis zu 100 Facharbeiter fertigten etwa 7000
Instrumente im Jahr, wovon durchschnittlich 70 % nach Südamerika geliefert wurden. Besondere Beliebtheit erwarb sich das 142-tönige Bandonion ,das man noch heute als das Herz und die Seele des argentinischen Tangos bezeichnet. Alfred Arnold verstarb 1933.Sein Betrieb wurde 1948 enteignet.
Unter Führung der ”VEB Klingenthaler Harmonikawerke” fanden die Instrumente keinen Absatz mehr, so dass der Bandonionbau 1964 endgültig zum Erliegen kam. Das Stammhaus  ”AA” fiel
im Jahre 2003 der Abrissbirne zum Opfer. Damit verlor Carlsfeld ein weiteres Zeugnis industrieller
Geschichte.

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